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«So geschwitzt habe ich selten»
An einem Samstag schiesst oder sticht er im Durchschnitt zehn Löcher in menschliches Fleisch - ohne dabei mit der Wimper zu zucken. Unter der Woche sind es rund drei pro Tag. Der Bieler David Jeanmonod betreibt in der Innenstadt den «Body Piercing Shop» - ein Piercingstudio mit integriertem Schmuckladen.
David liegt auf dem Schragen im Kellergeschoss seines Studios. Er schaut in den Bildschirm schräg gegenüber an der Wand. Da läuft nicht etwa das Fernsehprogramm des Tages - es ist eine Kamera, welche über dem Ladentisch im Obergeschoss befestigt ist. Sie hat die eintretenden Kundinnen und Kunden im Visier. «Bitte lächeln, Sie werden gefilmt», steht darunter. Was David vom Keller aus erkennen kann, sind jedoch nur nervöse und zerknirschte Gesichter.
«Zwei Bauchnabelpiercings», ruft die Verkäuferin die Treppe hinunter - wie eine Serviertochter, die die Bestellung in die Küche weiterleitet. «Sie sollen kommen», antwortet David. Schnell springt er auf und macht sich an die Arbeit. Zuerst müssen die Instrumente sterilisiert werden. Er zieht sich Platikhandschuhe über, legt auf einem fahrenden Gestell den Schmuck und die Nadel bereit und lächelt den Mädchen entgegen. Manchmal singt er zur Begrüssung.
«Tut es weh», fragen die beiden Kundinnen wie aus einem Munde. «Die Standardfrage», lacht David. In seiner sechsjährigen Tätigkeit als Piercer habe er noch selten jemanden erlebt, der sie nicht stellte. «Der Schmerz dauert nur eine Sekunde, kein Grund zur Sorge», lautet seine Standardantwort. «Die Kundschaft sollte sich aber bewusst sein, dass ein solches Schmuckstück in den ersten Tagen sorgfältig gepflegt werden muss». Die Gefahren von Infektionen seien hoch, wenn man nicht konsequent pflege. Und obwohl man das Stechen meist nur kurz oder gar nicht spüre, können Stunden später Schmerzen auftreten.
Ja klar könne er sich noch an das erste Piercing erinnern, welches er gestochen habe, sagt David. «Das werde ich nie vergessen.» Er sei damals viel nervöser gewesen als seine Kundin. «Das erste Piercing und gleich im Bauchnabel. So geschwitzt habe ich noch selten», lacht der 26-Jährige. Die Nervosität habe jedoch nicht lange angehalten - und heute sei das Stechen Routine. Das sieht man sofort, denn während er dies erzählte, schmückte er die beiden Bauchnabel. Mit einem Filzstift markierte er die Stelle, wo der Schmuck gewünscht wurde - und bevor sich die Mädchen fürchten konnten, war alles vorbei. «Bis morgen weder duschen noch baden», mahnt David, während er ein dickes Pflaster zum Schutz über den Nabel klebt.
Der glitzernde Blickfang am Bauch liegt im Trend. «Vor allem im Sommer, da man das Piercing in der warmen Jahreszeit zur Schau stellen kann», sagt David. Im Winter pierce er in erster Linie Augenbrauen und Zungen. «Ohrringe hingegen sind zu jeder Jahreszeit ‹out›.» Die meisten Kunden seien Frauen, erzählt er weiter. Das Durchschnittsalter liege zwischen 16 bis 74 Jahren. «Manche Leute wollen sich nach ihrer Pensionierung noch piercen lassen.»
Die beiden Mädchen verlassen den Laden - stolz auf ihren Mut und zufrieden mit dem neuen Schmuck. «Frauen sind viel weniger wehleidig als die Männer», sagt David. Wenn man je zehn Männer und Frauen in eine Reihe stellen und piercen würde, fielen mindestens drei Männer schon vorher um. Bei den Frauen wäre es nur eine einzige.
Miriam Lenz (bielertagblatt)
"Er macht Piercings nur an anderen Leuten und nicht an sich selber: David Jeanmonod führt den «Body Piercing Shop» in der Bieler Innenstadt"
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